Schüßler Salze und Salben: Übersicht, Anwendung und Wirksamkeit

Schüßler Salze und die dazugehörigen Salben stehen in fast jeder Apotheke im Regal, und trotzdem fällt vielen die Auswahl schwer. Zwölf Grundsalze, zwölf Ergänzungssalze, dazu Salben, Cremes und Lotionen: Wer ohne Orientierung davor steht, greift meist zur Nummer, die gerade jemand empfohlen hat. Wir haben das System geordnet, die Salben den üblichen Anwendungsbereichen zugeordnet und aufgeschrieben, was zur Wirksamkeit bekannt ist.

Woher das System kommt

Wilhelm Heinrich Schüßler, ein Arzt aus Oldenburg, stellte in den 1870er Jahren die Annahme auf, dass Krankheiten auf einem Ungleichgewicht von zwölf Mineralstoffen in den Körperzellen beruhen. Diese Mineralstoffe, die er Funktionsmittel nannte, sollten in stark verdünnter Form zugeführt werden, damit der Körper sie besser aufnimmt.

Die Zubereitungen liegen als Potenzen vor, meist D6 oder D12. D6 bedeutet eine millionenfache Verdünnung, D12 eine Verdünnung um den Faktor eine Billion. Es geht bei diesem Verfahren also ausdrücklich nicht darum, einen Mineralstoffmangel über die zugeführte Menge auszugleichen, denn dafür wären die enthaltenen Mengen um Größenordnungen zu klein.

Die zwölf Grundsalze im Überblick

  • Nr. 1 Calcium fluoratum: traditionell zugeordnet bei Bindegewebe, Haut, Nägeln und Bändern.
  • Nr. 2 Calcium phosphoricum: Knochen, Zähne, Aufbau nach Belastung.
  • Nr. 3 Ferrum phosphoricum: erste Anzeichen von Entzündungen, Prellungen, frische Verletzungen.
  • Nr. 4 Kalium chloratum: Schleimhäute, zweites Stadium entzündlicher Vorgänge.
  • Nr. 5 Kalium phosphoricum: Erschöpfung, Nerven, Muskelschwäche.
  • Nr. 6 Kalium sulfuricum: Haut, Ausleitung, drittes Stadium entzündlicher Vorgänge.
  • Nr. 7 Magnesium phosphoricum: Verkrampfungen, Muskulatur, das sogenannte heiße Sieben genannte Getränk.
  • Nr. 8 Natrium chloratum: Flüssigkeitshaushalt, trockene Haut, Schleimhäute.
  • Nr. 9 Natrium phosphoricum: Säure-Basen-Haushalt, unreine Haut, Fettstoffwechsel.
  • Nr. 10 Natrium sulfuricum: Ausscheidung, Leber, Verdauung.
  • Nr. 11 Silicea: Haut, Haare, Nägel, Bindegewebe.
  • Nr. 12 Calcium sulfuricum: chronische eitrige Vorgänge, Gelenke.

Die Nummern 13 bis 27 gelten als Ergänzungsmittel und wurden erst nach Schüßlers Tod von seinen Anhängern hinzugefügt. Sie gehören streng genommen nicht mehr zum ursprünglichen System.

Die Salben: welche wofür verwendet wird

Nicht alle zwölf Salze sind als Salbe erhältlich. Im Handel sind vor allem die folgenden verbreitet, und sie decken die typischen äußerlichen Anwendungen ab:

  • Salbe Nr. 1 Calcium fluoratum: die klassische Wahl bei rissiger, verhärteter Haut, bei Hornhaut an Händen und Füßen, bei Schrunden und zur Nachbehandlung von Narben.
  • Salbe Nr. 2 Calcium phosphoricum: traditionell nach Zerrungen und bei Beschwerden im Bereich von Knochen und Gelenken.
  • Salbe Nr. 3 Ferrum phosphoricum: die am häufigsten verwendete Salbe, angewendet bei Schürfwunden, Prellungen, Verstauchungen, Insektenstichen und Sonnenbrand.
  • Salbe Nr. 4 Kalium chloratum: bei Schwellungen und im zweiten Stadium entzündlicher Hautveränderungen.
  • Salbe Nr. 8 Natrium chloratum: bei sehr trockener, spannender Haut und bei Trockenheit der Schleimhäute im Randbereich.
  • Salbe Nr. 9 Natrium phosphoricum: bei unreiner, zu Glanz neigender Haut.
  • Salbe Nr. 11 Silicea: bei brüchigen Nägeln, schwachem Bindegewebe und im Bereich der Haarwurzeln.

Wie die Salben angewendet werden

Üblich ist, eine erbsengroße Menge dünn auf die betroffene Stelle aufzutragen und leicht einzumassieren. Bei frischen, akuten Beschwerden wird in der Beratung eine stündliche Anwendung genannt, bei länger bestehenden Beschwerden zwei- bis dreimal täglich. Die Salben werden häufig gemeinsam mit den entsprechenden Tabletten verwendet, weil die äußerliche Anwendung im System als Ergänzung zur inneren gedacht ist.

Auf offene Wunden gehören diese Salben nicht. Bei einer Verletzung, die genäht werden müsste, bei tiefen Wunden, bei Bissverletzungen und bei allem, was sich entzündet, ist die ärztliche Beurteilung der richtige Schritt und nicht die Salbe aus dem Regal.

Die heiße Sieben und andere verbreitete Anwendungen

Die bekannteste Zubereitung ist die heiße Sieben: zehn Tabletten Magnesium phosphoricum D6 in heißem Wasser aufgelöst und schluckweise mit einem Plastiklöffel getrunken. Sie wird traditionell bei Verkrampfungen und innerer Unruhe verwendet. Wärme entspannt die Muskulatur nachweislich, und ein heißes Getränk in Ruhe zu trinken ist ein Effekt, der auch ohne die gelösten Tabletten eintritt.

Was zur Wirksamkeit bekannt ist

Kontrollierte Untersuchungen, die eine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung der Schüßler Salze belegen, liegen nicht vor. Das ergibt sich bereits aus der Verdünnung: Bei D6 und erst recht bei D12 sind die zugeführten Mineralstoffmengen so gering, dass sie gegenüber der Aufnahme über eine normale Mahlzeit keine Rolle spielen. Eine Tablette Calcium phosphoricum D6 enthält rechnerisch einen Bruchteil dessen, was in einem Schluck Mineralwasser steckt.

Bei den Salben kommt ein zweiter Punkt hinzu, der oft übersehen wird: Die Grundlage der Salbe selbst, also die enthaltenen Fette und Feuchthaltemittel, wirkt pflegend auf die Haut. Wer eine trockene, rissige Stelle regelmäßig eincremt, sieht eine Verbesserung. Diese ist der Salbengrundlage zuzuschreiben und nicht dem verdünnten Mineralsalz darin.

Ein echter Mineralstoffmangel, etwa an Eisen, Magnesium oder Calcium, lässt sich mit diesen Zubereitungen nicht ausgleichen. Wer einen Mangel vermutet, sollte die Werte bestimmen lassen und im Bedarfsfall eine Zufuhr in wirksamer Dosierung wählen.

Unser Fazit

Das System der Schüßler Salze ist übersichtlich aufgebaut und die Salben sind in der Anwendung unkompliziert und gut verträglich. Als pflegende Zubereitung für trockene oder beanspruchte Hautstellen erfüllen sie ihren Zweck, wobei dieser Effekt von der Salbengrundlage ausgeht.

Als Ersatz für die Behandlung einer Erkrankung oder für den Ausgleich eines nachgewiesenen Mineralstoffmangels sind sie nicht geeignet. Wer diese Unterscheidung im Kopf behält, kann die Salben ohne Bedenken verwenden.

Quellen

  • Schüßler W. H.: Eine abgekürzte Therapie, gegründet auf Histologie und Cellularpathologie. 1874.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Mineralstoffe.
  • Verbraucherzentrale: Homöopathische Zubereitungen und Potenzierung, Verbraucherinformation.
  • Europäisches Arzneibuch: Monografien zu homöopathischen Zubereitungen und Potenzstufen.
Produkt zum Warenkorb hinzugefügt.
0 Artikel - 0,00