Manche Beschwerden folgen dem Kalender. Wer weiß, was in welchem Monat gehäuft auftritt, erkennt früher, womit er es zu tun hat, und kann rechtzeitig gegensteuern. Wir haben das Jahr durchgegangen und zusammengestellt, welche saisonalen Krankheiten und Beschwerden wann typisch sind, woran du sie unterscheidest und was jeweils sinnvoll ist.
Warum Beschwerden Jahreszeiten haben
Dafür gibt es mehrere Gründe, die zusammenwirken. In der kalten Jahreszeit halten sich Menschen länger in geschlossenen Räumen auf, wodurch Erreger leichter übertragen werden. Trockene Heizungsluft senkt die Feuchtigkeit der Schleimhäute, und eine trockene Schleimhaut ist eine schlechtere Barriere. Dazu kommt die geringere Sonneneinstrahlung zwischen Oktober und März, die die körpereigene Bildung von Vitamin D in unseren Breiten praktisch zum Erliegen bringt.
Im Sommer verschieben sich die Themen zu Hitze, Sonne, Insekten und Magen-Darm-Beschwerden. Die Übergangszeiten wiederum sind die Hochphase der Pollen.
Winter: Dezember bis Februar
Die Hauptphase für Erkältungen und die echte Grippe. Beide werden häufig verwechselt, unterscheiden sich aber deutlich im Verlauf. Eine Erkältung beginnt allmählich über ein bis zwei Tage, mit Halskratzen und Schnupfen, meist ohne oder mit nur leichtem Fieber, und klingt nach etwa sieben bis zehn Tagen ab.
Die Grippe beginnt dagegen abrupt, oft innerhalb weniger Stunden, mit hohem Fieber, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und einem ausgeprägten Krankheitsgefühl. Die Erschöpfung hält häufig noch zwei bis drei Wochen an, nachdem das Fieber verschwunden ist. Wer plötzlich hohes Fieber bekommt und sich schwer krank fühlt, sollte ärztlich abklären lassen, statt abzuwarten.
Weitere Themen dieser Monate sind trockene Haut durch Heizungsluft und Kälte, aufspringende Lippen und Hände sowie die Frage nach Vitamin D. Für Letzteres gilt: Von einer Zufuhr über Monate ohne vorher bestimmten Wert raten wir ab. Lass den Spiegel bestimmen, bevor du über Monate hoch dosierst, denn Vitamin D ist fettlöslich und reichert sich im Körper an.
Frühjahr: März bis Mai
Die Pollen von Hasel, Erle, Birke und Esche bestimmen diese Monate. Wenn deine Beschwerden jedes Jahr im selben Zeitfenster auftreten, das Nasensekret klar und dünnflüssig ist, die Augen jucken und kein Fieber dazukommt, spricht das für eine Pollenallergie und nicht für einen Infekt.
Dazu kommt die verbreitete Frühjahrsmüdigkeit. Die Umstellung des Körpers auf längere Tage und höhere Temperaturen, verbunden mit der Anpassung des Melatoninrhythmus, ist die plausibelste Erklärung. Tageslicht am Morgen, Bewegung im Freien und ein regelmäßiger Schlafrhythmus sind hier die Maßnahmen mit dem besten Verhältnis von Aufwand und Nutzen.
Sommer: Juni bis August
Die Gräserpollen erreichen im Juni ihren Höhepunkt. Parallel dazu treten hitzebedingte Beschwerden auf: Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen und Erschöpfung durch zu geringe Trinkmenge. Ältere Menschen und kleine Kinder sind dafür besonders anfällig, weil das Durstempfinden im Alter nachlässt und Kinder über die Körperoberfläche schneller Wärme aufnehmen.
Ein Sonnenstich zeigt sich durch hochroten, heißen Kopf, Kopfschmerzen, Übelkeit und Nackensteifigkeit, oft erst Stunden nach dem Aufenthalt in der Sonne. Ein Hitzschlag mit Körpertemperatur über 40 Grad, trockener Haut und Verwirrtheit ist dagegen ein Notfall und erfordert sofort den Notruf 112.
Magen-Darm-Infekte häufen sich bei Wärme, weil Erreger in Lebensmitteln schneller wachsen. Auf Insektenstiche reagieren die meisten Menschen mit örtlicher Schwellung. Treten dagegen Atemnot, Schwindel, Schwellungen im Gesicht oder ein großflächiger Ausschlag auf, ist das eine allergische Reaktion und ebenfalls ein Fall für den Notruf.
Herbst: September bis November
Die Erkältungswelle beginnt, sobald die Temperaturen fallen und die Heizsaison anfängt. Beifuß und Ambrosia bestimmen den frühen Herbst für Menschen mit Pollenallergie. Ab Oktober sinkt die Sonneneinstrahlung so weit, dass die Vitamin-D-Bildung über die Haut in unseren Breiten nicht mehr stattfindet.
Auch die saisonal auftretende Niedergeschlagenheit in der dunklen Jahreszeit gehört hierher. Tageslicht am Vormittag ist die wirksamste Gegenmaßnahme, auch an bedeckten Tagen, denn selbst ein grauer Novembertag draußen liefert ein Vielfaches der Lichtstärke einer Wohnungsbeleuchtung. Wenn die Beschwerden ausgeprägt sind und über Wochen anhalten, gehört das ärztlich abgeklärt.
Was das ganze Jahr über trägt
- Händewaschen mit Seife für zwanzig Sekunden ist die wirksamste Einzelmaßnahme gegen die Übertragung von Atemwegsinfekten.
- Regelmäßig lüften statt Fenster dauerhaft zu kippen, mehrmals täglich für einige Minuten mit weit geöffnetem Fenster.
- Ausreichend trinken, im Sommer entsprechend mehr, bei Hitze über den Tag verteilt.
- Schlaf in ausreichender Menge und zu regelmäßigen Zeiten. Der Zusammenhang zwischen Schlafdauer und der Anfälligkeit für Atemwegsinfekte ist in Untersuchungen gut dokumentiert.
- Bewegung im Freien, auch bei kühlem Wetter, für Tageslicht und Kreislauf.
Wann du nicht abwarten solltest
Fieber über 39 Grad, das länger als drei Tage anhält, Atemnot, Schmerzen im Brustkorb, starke Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit, anhaltendes Erbrechen mit Zeichen von Flüssigkeitsmangel und jede Beschwerde, die sich nach anfänglicher Besserung wieder deutlich verschlechtert, gehören ärztlich beurteilt. Bei Säuglingen, Menschen über achtzig und bei bestehenden Grunderkrankungen gelten niedrigere Schwellen.
Unser Fazit
Saisonale Beschwerden lassen sich gut vorhersehen, und genau das ist der praktische Nutzen: Wer weiß, dass im April die Birke fliegt und dass ab Oktober die Vitamin-D-Bildung ruht, kann rechtzeitig reagieren, statt jedes Jahr überrascht zu werden.
Die Maßnahmen, die über alle Jahreszeiten hinweg am meisten tragen, sind unspektakulär: Händewaschen, Schlaf, Tageslicht, Bewegung und ausreichend trinken. Sie stehen in keiner Werbung, und sie sind trotzdem am besten belegt.
Quellen
- Robert Koch-Institut: Saisonale Influenza, Ratgeber für Ärztinnen und Ärzte.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Vitamin D und Prävention, Stellungnahme.
- Prather A. A. et al.: Behaviorally assessed sleep and susceptibility to the common cold. Sleep, 2015.
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Hitze und Gesundheit, Handlungsempfehlungen.
- Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst: Pollenflugkalender für Deutschland.