Hautpflege ist der Bereich, in dem am meisten Geld für Produkte ausgegeben wird, deren Zusammensetzung die wenigsten Käuferinnen und Käufer je gelesen haben. Dabei steht auf jeder Packung, was drin ist. Wir haben zusammengestellt, welche Bestandteile in der Forschung tatsächlich untersucht sind, wie du deinen Hauttyp bestimmst und in welcher Reihenfolge eine Pflegeroutine sinnvoll aufgebaut ist.
Was die Haut leistet und warum sie Pflege braucht
Die äußerste Schicht der Oberhaut, das Stratum corneum, ist etwa 0,02 Millimeter dünn und besteht aus verhornten Zellen, die in eine Schicht aus Lipiden eingebettet sind. Diese Struktur hält Wasser im Körper und Fremdstoffe draußen. Ceramide machen dabei rund die Hälfte der Lipide aus, dazu kommen Cholesterin und freie Fettsäuren.
Wird diese Barriere geschädigt, etwa durch zu häufiges Waschen mit stark entfettenden Tensiden, durch trockene Heizungsluft oder durch Kälte, steigt der Wasserverlust über die Haut messbar an. Die Folge sind Spannungsgefühl, Schuppung und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Reizstoffen. Gute Pflege setzt genau hier an: Sie ersetzt, was der Barriere fehlt.
Den eigenen Hauttyp bestimmen
Der einfachste Test kostet nichts. Wasche dein Gesicht mit einem milden Reinigungsprodukt, trockne es ab und warte zwei Stunden ohne weitere Pflege. Danach lässt sich der Zustand gut beurteilen:
- Normale Haut: gleichmäßig, weder spannend noch glänzend, feine Poren.
- Trockene Haut: spannt, wirkt matt, teilweise feine Schuppung, besonders an Wangen und um die Augen.
- Fettige Haut: Glanz auf Stirn, Nase und Kinn, größere Poren, Neigung zu verstopften Poren.
- Mischhaut: Glanz in der T-Zone bei gleichzeitig trockenen Wangen. Der häufigste Befund in unseren Breiten.
- Empfindliche Haut: reagiert mit Rötung, Brennen oder Juckreiz auf Produkte, Temperaturwechsel oder Duftstoffe. Empfindlichkeit ist dabei kein eigener Hauttyp, sondern ein Zustand, der zu jedem Typ hinzukommen kann.
Bestandteile mit belastbarer Datenlage
Die Liste der Substanzen, für die kontrollierte Untersuchungen am Menschen vorliegen, ist kürzer als die Werbung nahelegt. Diese hier gehören dazu:
- Glycerin: bindet Wasser in der Hornschicht. Einer der am besten untersuchten Feuchthaltestoffe überhaupt, wirksam ab etwa drei bis fünf Prozent.
- Harnstoff (Urea): in Konzentrationen von fünf bis zehn Prozent feuchtigkeitsbindend, ab etwa zehn Prozent zusätzlich hornlösend. Bei sehr trockener Haut an Händen und Füßen eine der zuverlässigsten Optionen.
- Ceramide: ersetzen genau die Lipide, die einer geschädigten Barriere fehlen. Untersuchungen zeigen eine messbare Verringerung des Wasserverlusts über die Haut.
- Niacinamid (Vitamin B3): in Konzentrationen um fünf Prozent untersucht, unter anderem zur Regulierung der Talgproduktion und zur Verringerung von Rötungen.
- Retinoide: die am besten belegte Substanzgruppe für die Struktur der Haut über längere Zeiträume. Einstieg niedrig dosiert, abends und mit langsamer Steigerung, weil zu Beginn Rötung und Schuppung auftreten.
- Panthenol: beruhigend und feuchtigkeitsbindend, gut verträglich, sinnvoll nach Reizung.
- Lichtschutzfilter: der wirksamste Beitrag zum Erhalt des Hautbildes über Jahrzehnte. Kein anderes Produkt in der Pflegeroutine ist besser belegt.
Eine sinnvolle Reihenfolge
Pflegeroutinen werden häufig zu umfangreich aufgebaut. Vier Schritte reichen für die meisten aus:
- Morgens: milde Reinigung mit lauwarmem Wasser, anschließend eine Pflege passend zum Hauttyp, zuletzt Lichtschutz mit mindestens Faktor 30.
- Abends: Reinigung, um Talg, Umweltrückstände und Lichtschutzmittel zu entfernen, danach die pflegende Zubereitung. Wirkstoffe wie Retinoide oder Säuren gehören in diesen Schritt, weil sie die Lichtempfindlichkeit erhöhen.
Neue Produkte führst du einzeln ein und lässt zwei bis drei Wochen dazwischen. Wer drei Produkte gleichzeitig wechselt und danach eine Reaktion sieht, weiß nicht, welches dafür verantwortlich war.
Häufige Fehler
Zu heißes Wasser entfettet die Haut zusätzlich, lauwarm reicht vollständig aus. Zu häufiges Peelen schädigt die Barriere, ein- bis zweimal pro Woche ist die Obergrenze. Fettige Haut braucht ebenfalls Feuchtigkeit, denn Talg und Wassergehalt sind zwei verschiedene Dinge, und aggressive Entfettung führt regelmäßig zu vermehrter Talgproduktion.
Ein weiterer verbreiteter Irrtum betrifft die Geduld: Sichtbare Veränderungen der Hautstruktur brauchen bei den meisten Wirkstoffen acht bis zwölf Wochen. Wer nach zehn Tagen wechselt, sieht nie ein Ergebnis.
Wann eine ärztliche Abklärung ansteht
Anhaltende Rötungen, entzündliche Hautveränderungen, die sich über Wochen nicht bessern, ausgeprägte Akne, stark juckende oder nässende Stellen sowie jede Veränderung an einem Muttermal gehören in eine dermatologische Praxis. Pflegeprodukte sind für die gesunde Haut gedacht und ersetzen keine Behandlung.
Unser Fazit
Wirksame Hautpflege besteht aus wenigen Bestandteilen in ausreichender Konzentration, angewendet über einen ausreichend langen Zeitraum. Reinigung, eine Pflege mit Glycerin, Harnstoff oder Ceramiden und täglicher Lichtschutz decken den Bedarf der meisten Menschen ab. Alles Weitere ist eine Ergänzung, keine Grundlage.
Lies die Zusammensetzung, achte auf die Position eines Bestandteils in der Liste, denn sie sagt etwas über die enthaltene Menge aus, und gib jedem neuen Produkt die Zeit, die es braucht.
Quellen
- Rawlings A. V., Harding C. R.: Moisturization and skin barrier function. Dermatologic Therapy, 2004.
- Draelos Z. D.: The science behind skin care: moisturizers. Journal of Cosmetic Dermatology, 2018.
- Mukherjee S. et al.: Retinoids in the treatment of skin aging. Clinical Interventions in Aging, 2006.
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft: Leitlinie zur Prävention von Hautkrebs, Abschnitt UV-Schutz.
- Europäische Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009, Anhänge zu zugelassenen Bestandteilen.