Pollenallergie: Pollenflugkalender, Symptome und Behandlung

Etwa jeder sechste Erwachsene in Deutschland reagiert auf Pollen. Die Beschwerden beginnen inzwischen früher im Jahr und halten länger an als noch vor zwanzig Jahren, was sich in den Messreihen der Pollenflugdaten gut nachvollziehen lässt. Wir haben zusammengetragen, welche Pollen wann fliegen, woran du eine Pollenallergie von einer Erkältung unterscheidest und welche Maßnahmen im Alltag tatsächlich etwas bringen.

Was im Körper passiert

Bei einer Pollenallergie stuft das Immunsystem harmlose Eiweiße aus Blütenpollen als gefährlich ein und bildet dagegen Antikörper vom Typ Immunglobulin E. Bei jedem weiteren Kontakt binden diese Antikörper an Mastzellen in den Schleimhäuten und lösen die Ausschüttung von Histamin und weiteren Botenstoffen aus.

Histamin erweitert die kleinen Blutgefäße, macht sie durchlässiger und reizt Nervenenden. Daraus ergeben sich die bekannten Beschwerden: laufende Nase, Niesreiz, juckende und tränende Augen, manchmal auch Husten. Der erste Kontakt verläuft dabei ohne Beschwerden, denn zuerst muss die Sensibilisierung stattfinden. Deshalb entwickelt sich eine Pollenallergie oft scheinbar plötzlich, nach Jahren beschwerdefreier Frühlinge.

Der Pollenflugkalender

Die zeitliche Zuordnung erleichtert die Einschätzung, worauf du reagierst. Die Angaben verschieben sich je nach Region und Witterung um zwei bis drei Wochen, in milden Wintern deutlich mehr:

  • Hasel und Erle: Januar bis März, in milden Jahren bereits ab Dezember.
  • Birke: März bis Mai, mit hoher Belastung im April. Der häufigste Auslöser in Deutschland.
  • Esche: März bis Mai, zeitlich stark mit der Birke überlappend.
  • Gräser: Mai bis August, Schwerpunkt im Juni. Der zweithäufigste Auslöser und die Ursache für den längsten Beschwerdezeitraum.
  • Roggen: Mai bis Juni, regional dort bedeutsam, wo Getreide angebaut wird.
  • Beifuß: Juli bis September.
  • Ambrosia: August bis Oktober, in Ausbreitung begriffen und mit hohem Reizpotenzial schon bei geringer Pollenzahl.

Pollenallergie oder Erkältung

Die Unterscheidung gelingt über wenige Merkmale. Bei einer Pollenallergie ist das Nasensekret dünnflüssig und klar, der Niesreiz kommt in Serien, die Augen jucken, und es tritt kein Fieber auf. Die Beschwerden bestehen über Wochen, wechseln aber mit dem Wetter: Bei Regen wird es besser, an trockenen windigen Tagen schlechter.

Eine Erkältung dagegen dauert etwa eine Woche, das Sekret wird nach einigen Tagen dickflüssiger, oft kommen Halsschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl dazu, und juckende Augen sind untypisch.

Die Kreuzreaktion mit Lebensmitteln

Ein Teil der Menschen mit Birkenpollenallergie reagiert auch auf bestimmte Lebensmittel, weil deren Eiweiße den Pollenallergenen ähneln. Typisch sind Kribbeln oder Anschwellen im Mund nach dem Verzehr von Apfel, Kirsche, Pfirsich, Haselnuss, Mandel oder Karotte.

Da diese Eiweiße hitzeempfindlich sind, werden gekochte oder gebackene Zubereitungen meist vertragen. Bei Gräserpollen betreffen Kreuzreaktionen eher Getreide, Erdnuss und Tomate, bei Beifuß Sellerie und Gewürze. Wenn nach dem Verzehr Atemnot, Schluckbeschwerden oder eine Schwellung im Rachen auftreten, ist das ein Notfall und gehört sofort ärztlich abgeklärt.

Was im Alltag wirklich etwas bringt

  • Abends Haare waschen: Pollen setzen sich im Laufe des Tages im Haar ab und landen sonst auf dem Kissen.
  • Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer ablegen.
  • Richtig lüften: In der Stadt fliegen die meisten Pollen morgens, auf dem Land abends. Lüfte entsprechend zu den jeweils ruhigeren Zeiten und möglichst kurz und kräftig.
  • Wäsche nicht im Freien trocknen während der Hauptflugzeit deines Auslösers.
  • Pollenschutzgitter am Schlafzimmerfenster und ein Pollenfilter im Auto, der regelmäßig gewechselt wird.
  • Nasenspülung mit Kochsalzlösung am Abend, um abgelagerte Pollen von der Schleimhaut zu entfernen. Einfach, günstig und in Untersuchungen zur Linderung der Beschwerden bei allergischem Schnupfen geprüft.
  • Sonnenbrille mit breiten Bügeln verringert den Pollenkontakt an den Augen.

Behandlungsmöglichkeiten

Antihistaminika der zweiten Generation, etwa mit den Wirkstoffen Cetirizin oder Loratadin, blockieren die Histaminwirkung und machen deutlich weniger müde als ältere Substanzen. Sie sind in der Apotheke ohne Rezept erhältlich. Nasensprays mit Glukokortikoiden gelten bei anhaltenden Beschwerden der Nase als wirksamste Option, brauchen aber einige Tage bis zur vollen Wirkung und müssen regelmäßig angewendet werden.

Abschwellende Nasensprays sind für diesen Zweck nicht geeignet und dürfen wegen der Gefahr einer Gewöhnung nur wenige Tage verwendet werden. Die spezifische Immuntherapie, umgangssprachlich Hyposensibilisierung, ist bislang das einzige Verfahren, das an der Ursache ansetzt. Sie dauert etwa drei Jahre und wird als Spritze oder als Tablette durchgeführt.

Welche dieser Möglichkeiten für dich passt, entscheidet sich nach einer Diagnostik mit Hauttest oder Bluttest. Lass dich dazu ärztlich beraten, statt über Jahre auf eigene Faust zu behandeln.

Warum eine Abklärung wichtig ist

Bleibt ein allergischer Schnupfen über Jahre unbehandelt, steigt das Risiko, dass die Beschwerden auf die unteren Atemwege übergehen. Dieser sogenannte Etagenwechsel betrifft einen erheblichen Teil der Betroffenen. Auch deshalb ist es sinnvoll, die Auslöser früh bestimmen zu lassen.

Unser Fazit

Eine Pollenallergie lässt sich gut in den Griff bekommen, wenn du weißt, worauf du reagierst und wann dein Auslöser fliegt. Die Kombination aus einfachen Maßnahmen im Alltag, einer abendlichen Nasenspülung und einer passenden Behandlung deckt die meisten Situationen ab.

Der Schritt, der am häufigsten zu spät kommt, ist die Diagnostik. Wer seinen Auslöser kennt, kann den Pollenflug verfolgen und rechtzeitig gegensteuern, statt jedes Frühjahr aufs Neue überrascht zu werden.

Quellen

  • Bousquet J. et al.: Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma (ARIA) guidelines, 2020 revision.
  • Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst: Pollenflugkalender für Deutschland.
  • Robert Koch-Institut: Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland, Abschnitt allergische Erkrankungen.
  • Head K. et al.: Saline irrigation for allergic rhinitis. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2018.
  • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie: Leitlinie zur spezifischen Immuntherapie.
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