Bei einer Vergiftung zählt die erste Viertelstunde, und in dieser Viertelstunde wird am häufigsten das Falsche getan. Die wichtigste Nummer für Leipzig und ganz Sachsen ist der Giftnotruf Erfurt unter 0361 730 730, rund um die Uhr besetzt. Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot oder Krampfanfall gilt zuerst der Notruf 112. Was du sonst noch wissen solltest, haben wir hier zusammengestellt.
Die wichtigsten Nummern auf einen Blick
- Giftnotruf Erfurt: 0361 730 730: zuständig für Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Rund um die Uhr, kostenlos in der Beratung, besetzt mit Ärztinnen, Ärzten und Apothekerinnen und Apothekern.
- Rettungsdienst: 112: bei Bewusstlosigkeit, Atemproblemen, Krampfanfall, starken Schmerzen oder wenn du unsicher bist.
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117: außerhalb der Sprechzeiten, wenn kein Notfall vorliegt.
- Apothekennotdienst: 0800 00 22 833: kostenlos, nennt die diensthabende Apotheke in deiner Nähe.
Speichere die Nummer des Giftnotrufs jetzt in deinem Telefon ein. Im Ernstfall willst du sie nicht suchen müssen.
Was du beim Anruf bereithalten solltest
Die Beratung wird umso genauer, je mehr Angaben du machen kannst. Halte bereit:
- Wer: Alter und ungefähres Körpergewicht der betroffenen Person. Bei Kindern ist das Gewicht besonders wichtig, weil die Beurteilung darauf beruht.
- Was: die genaue Bezeichnung des Produkts. Hol die Packung, die Flasche oder die Pflanze und lies vor, was draufsteht.
- Wie viel: geschätzte Menge, also wie viele Tabletten fehlen oder wie viel Flüssigkeit.
- Wann: Zeitpunkt, möglichst genau.
- Wie: geschluckt, eingeatmet, auf die Haut oder in die Augen gelangt.
- Welche Beschwerden bisher aufgetreten sind.
Ruf auch dann an, wenn noch keine Beschwerden vorliegen. Bei einigen Stoffen setzen die Beschwerden erst nach Stunden ein, und dann ist der günstigste Zeitpunkt für eine Maßnahme bereits vorbei.
Was du auf keinen Fall tun solltest
Diese vier Punkte sind der Grund, warum dieser Abschnitt wichtiger ist als jeder andere auf dieser Seite:
- Kein Erbrechen auslösen. Weder mit Salzwasser noch mit dem Finger. Ätzende Stoffe schädigen die Speiseröhre beim Hochkommen ein zweites Mal, und schaumbildende Mittel können in die Lunge gelangen. Salzwasser ist bei kleinen Kindern zusätzlich für sich genommen gefährlich.
- Keine Milch geben. Der alte Rat hält sich hartnäckig und ist falsch: Das Fett in der Milch kann die Aufnahme mancher Stoffe sogar beschleunigen.
- Keine Kohletabletten auf eigene Faust. Aktivkohle ist bei bestimmten Vergiftungen sinnvoll, bei anderen nutzlos oder hinderlich. Die Entscheidung trifft die Beratungsstelle.
- Nicht abwarten, ob es von allein besser wird. Der Anruf kostet nichts und dauert wenige Minuten.
Was in der Regel richtig ist
Bei verschluckten Stoffen darf die betroffene Person, sofern sie wach und ansprechbar ist, ein Glas stilles Wasser oder Tee trinken, ein Glas und nicht mehr. Reste im Mund werden ausgespuckt und der Mund wird ausgespült.
Bei Kontakt mit den Augen spülst du mindestens zehn Minuten mit lauwarmem Wasser vom inneren Augenwinkel nach außen, damit nichts ins andere Auge läuft. Bei Hautkontakt entfernst du getränkte Kleidung und spülst die Stelle gründlich. Bei eingeatmeten Stoffen bringst du die Person an die frische Luft und achtest dabei auf deinen eigenen Schutz.
Bewahre die Packung, den Rest des Produkts oder ein Stück der Pflanze auf und nimm es mit, falls eine Vorstellung im Krankenhaus nötig wird.
Die häufigsten Auslöser
Rund die Hälfte aller Anfragen betrifft Kinder unter fünf Jahren. Die häufigsten Auslöser sind dabei:
- Reinigungsmittel und Waschmittel, besonders Flüssigwaschmittel in löslichen Beuteln, die von Kleinkindern regelmäßig für Süßigkeiten gehalten werden.
- Arzneimittel aus der Handtasche oder vom Nachttisch, sehr häufig Schmerzmittel und Blutdruckmittel.
- Zimmer- und Gartenpflanzen, darunter Eibe, Goldregen, Engelstrompete, Maiglöckchen und Herbstzeitlose.
- Nikotin aus Zigaretten, Kippen oder Liquids für elektronische Zigaretten. Liquids sind wegen der hohen Konzentration besonders kritisch.
- Alkohol, bei Kindern bereits in Mengen relevant, die für Erwachsene unauffällig wären.
- Pilze, mit einem Schwerpunkt in den Herbstmonaten.
Vorbeugen ist einfacher als reagieren
Bewahre Reinigungsmittel und Arzneimittel außerhalb der Reichweite von Kindern auf, am besten in einem verschlossenen Schrank und nicht unter der Spüle. Fülle niemals etwas in Getränkeflaschen um, denn diese Verwechslung ist eine der häufigsten Ursachen für schwere Verläufe bei Erwachsenen.
Gib Arzneimittel in der Originalverpackung mit Beipackzettel auf, damit im Ernstfall der Wirkstoff ablesbar ist. Und sieh dir an, welche Pflanzen in deiner Wohnung und im Garten stehen, bevor ein Kleinkind es dir abnimmt.
Unser Fazit
Der Giftnotruf Erfurt unter 0361 730 730 ist für Leipzig die richtige Nummer, und der Anruf ist bei jedem Verdacht die erste sinnvolle Handlung. Das Wichtigste, was du dir merken solltest, ist eine Unterlassung: kein Erbrechen auslösen, keine Milch geben, nichts auf eigene Faust verabreichen.
Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot oder Krampfanfall wählst du sofort die 112 und rufst erst danach die Beratungsstelle an.
Quellen
- Gemeinsames Giftinformationszentrum der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (GGIZ Erfurt): Erste Hilfe bei Vergiftungen.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Vergiftungsunfälle bei Kindern, Auswertung der Meldungen nach § 16e Chemikaliengesetz.
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Liste der Giftnotrufzentralen.
- Sächsische Landesärztekammer: Giftnotrufzentralen, Patienteninformation.